InDesign: Wie hoch ist der Grossbuchstabe?
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Wie gross ist in InDesign ein Grossbuchstabe? Wie hoch ist das grosse H? Welchen Raum nimmt die Versalhöhe wirklich ein im Layout?
Eine Frage, die ab und an beantwortet werden muss: nur dass InDesigns Bordmittel keine Antwort bieten. InDesign sagt uns nur, wie gross die Schriftgrösse ist: und das ist immer deutlich mehr als die Höhe der Grossbuchstaben. Wie hoch also ist allein der Grossbuchstabe, ganz für sich? In Millimetern? Es gibt einen Trick, das schnell herauszufinden – auf den mich eine Frage vom Memex (und eine Antwort von Gerald Singelmann) führte. Zwei Dinge sind zu tun:
Stellen Sie wenigstens für einen Moment die erste Grundlinie Ihres Textrahmens auf Grossbuchstabenhöhe: Objekt > Textrahmenptionen > Grundlinienoptionen. Die Strecke zwischen Textrahmenoberkante und Grundlinie ist die Grossbuchstabenhöhe.
Nun rufen Sie den Textmodus auf: Bearbeiten > Im Textmodus bearbeiten. Der Textmodus Ihres Textes öffnet sich – mit einem sog. «Tiefenlineal» am linken Rand.
Das Tiefenlineal misst in 5er-Schritten, wie weit die Grundlinien von der ersten Spaltenoberkante entfernt ist: in Millimetern. Der schöne Komfort: Gleich zu oberst wird schon mal der Wert der ersten Grundlinie angezeigt. Den wir ja gerade erst auf Grossbuchstabenhöhe gestellt hatten. Damit ist die Versalhöhe bekannt: in Millimetern.
Die nachfolgenden Abbildungen zeigen die Zeicheneinstellungen einer 32-pt-grossen Schrift, in einem Textrahmen, dessen erste Grundlinie auf Grossbuchstabenhöhe gestellt wurde (man sieht sehr schön, wie die Oberläge nun aus dem Textrahmen herausragt) – und im Textmodus-Fenster die Versalhöhe in mm:
Das grosse H ist genau 7,3 mm hoch. Bei einer Schriftgrösse von 32 pt beträgt die Versalhöhe der Minion Pro Regular 7,3 mm.

Vernachlässigbarer Schönheitsfehler: Der angezeigte Wert wird auf eine Stelle hinter dem Komma gerundet. Sieht man Hundertstel Millimeter im Druck?
Wer will, kann bei dieser Gelegenheit noch paar Tipps mitnehmen, die das Gezeigte ergänzen und beschleunigen:
Wer die Versalhöhe in Punkt auslesen will, stellt mit Rechts-Klick auf das vertikale Layout-Lineal die Masseinheit vorübergehend auf Punkt um.
Aufruf der Textrahmenoptionen: Apfel-/Strg-B. Dort schneller Eintritt in die Grundlinienoptionen: Apfel-/Strg-2.
Braucht man die Versalhöhen-Auskunft öfters, legt man zwei mit Tastaturbefehl versehene Objektstile an, die die beiden meist benutzten Grundlinienoptionen aufrufen: Grossbuchstabenhöhe und Oberlänge. (Ich bevorzuge allerdings immer «Grossbuchstabenhöhe».)
Wechseln zwischen Textmodus- und Layoutfenster: Apfel-/Strg-Y. Textmodus-Fenster schliessen: Apfel-/Strg-W (wie alle Fenster).
Und wer öfters den Textmodus benutzt, sich aber von dem Lineal am linken Rand genervt fühlt, blendet es einfach aus: Ansicht > Textmodus > Tiefenlineal ausblenden. (Dieser Befehl ist nur aktiv, solange das Textmodus-Fenster aktiv ist.)


12 Kommentare
Januar 23rd, 2009 at 10:30
Ist es nicht schneller und präziser, einfach ein H in Pfade umzuwandeln?
Januar 23rd, 2009 at 11:03
Zumindest ein Sahnehäubchen! Präziser allemal (3 Stellen hintrerm Komma). Vielen Dank! Aber ob schneller?
Schrift > In Pfade umwandeln (Apfel-/Strg-Umschalt+O; “O” wie “Oh”)
Wechsel in das Auswahlwerkzeug
Klick auf das gewandelte Zeichen
Bearbeiten > Rückgängig: In Pfade umwandeln (Apfel-/Strg+Z)
Zumindest, wenn die Grundlinienoptionen des Textrahmens schon von Haus aus auf Großbuchstabenhöhe stehen und wenn besagte Schriftgrösse in der ersten Textkettenzeile durchgängig ist wie gewünscht, ist fixer:
Bearbeiten > Im Textmodus bearbeiten (Apfel-/Strg+Y)
(Datei > Schließen (Apfel-/Strg-W))
Habe den Artikel noch ergänzt durch Hinweis auf die Inspirationsquelle(n) zu diesem Trick!
Januar 23rd, 2009 at 11:34
Danke,
mein Mann als “alter” Bleisetzer fragt mich immer wieder nach der Versalhöhe, worauf ich ihm bisher keine Antwort geben konnte.
Gruß
Quarz
Januar 23rd, 2009 at 11:46
Eigentlich eine müßige Diskussion (Hauptsache, man kennt beide Wege) …
Aber wenn mich die Versalhöhe interessiert, interessiert mich eher, wieviel Prozent der Kegelhöhe auf das Versal verfallen. Das wäre dann nach meinem Vorgehen:
- Rahmen aufziehen und ein H in 100pt eingeben
- esc
- Apfel Shift O
- Löschen
Nach deinem:
- Rahmen aufziehen und ein H in 100pt eingeben
- Apfel B
- Apfel 2
- Zur Maus greifen, um die Option auf “Großbuchstabenhöhe” umzustellen
- OK
- Apfel Y
- Apfel W
- esc
- löschen
Wie man sieht, kann man nicht sagen: Der eine Weg ist besser als der andere. Es hängt davon ab, was man will.
Januar 23rd, 2009 at 12:08
@ Gerald: Hast unbedingt
recht. Hatte den Textmodus-Weg ja auch nur für eine Situation als schneller bezeichnet, die mit etlichen «Wenns» gekoppelt war: WENN schon Großbuchstabenhöhe eingestellt, WENN erste Textabschnittszeile die zu prüfende Schriftgrösse enthält, WENN die Rundung auf nur eine Dezimalstelle nicht stört – und nun auch noch WENN der Prozentwert nicht interessiert, sondern nur die Millimetergrösse selbst.
Nochmal Merci für den Text-in-Pfade-Tipp. Wer denkt schon an etwas so Naheliegendes!
Januar 23rd, 2009 at 18:39
Hallo,
Ich freue mich auch jedes Mal wieder über die kleinen hilfreichen InDesign-Tipps, großes Lob!
Was aber seit Kurzem schade ist: Euer rss-Feed funktioniert (zumindest bei mir im Opera) nicht mehr, ich kriege gar keine Nachricht über neue Beiträge. Beim direkten Aufruf bekomme ich die Fehlermeldung: “XML declaration not at beginning of document”
Vielleicht wollt ihr das ja beheben …
Liebe Grüße
Martin Heise
ADMIN: Hallo Herr Heise. Besten Dank für Ihren Hinweis! Der Fehler wurde behoben und der RSS-Feed funktioniert wieder. Freundliche Grüsse Stefan Dudas.
Januar 23rd, 2009 at 19:22
Direkteste Alternative: Einfach auf 4000% zoomen und die Versalhöhe o.dgl. abmessen. Fertig ist die Laube.
Januar 24th, 2009 at 12:24
Hallo Jochen,
siehe auch meinen Beitrag (mit Skript-Studie capHeight.jsx) in http://www.hilfdirselbst.ch/gforum/gforum.cgi?post=382388#382388
Januar 24th, 2009 at 15:21
@ Martin,
Merci für den Hinweis. Unser Webmaster ist schon informiert. Wird Montag sicher gefixt.
@ Memex,
bestens! Diese Lösung steht wohl, abgesehen von Martins Skript, zwischen Geralds und meiner:
Geralds besticht durch verlässliche Präzision drei Stellen hinterm Komma, meine überzeugt mich wegen ihrer Geschwindigkeit, und Deine liegt mittendrin (nicht wertend gemeint, sondern in puncto Genauigkeit):
Ein 4000er-Zoom ist mit der Temporärlupe (Apfel-/Strg-Leer) schnell gezogen, das Messwerkzeug mit der Taste K schnell aktiviert. Mit der Shift-Taste messe ich sauber senkrecht. Das Info-Bedienfeld öffnet sich automatisch und weist die Höhe in mm aus, auch mit drei Kommastellen. Und die erzielte Genauigkeit dürfte ebenfalls oft reichen – wenngleich sie natürlich von der ruhigen Mausführung abhängig ist.
Übrigens: Viele kennen das (unter der Pipette liegende) Messwerkzeug nicht und fragen sich, wie sie das gezogene Maßband wieder wegbekommen. Wird es womöglich sogar gedruckt? Nein, es wird nicht gedruckt, und es verschwindet mit der nächsten Operation.
Januar 24th, 2009 at 18:18
Ja, das Messtool wird vom Pixelraster etwas eingeschränkt, so dass zumindest die dritte Kommastelle (Tausendstel) mit Vorsicht zu genießen ist. Doch bereits die Hundertstelstelle dürfte selbst für Haarspaltungsfetischisten mehr als genau genug sein. ^^ In manchen Fällen genügt es vielleicht sogar, per Handtool die 4000%-Zoomstelle ans linke Ansichtslineal zu schieben: Die Versalhöhen etc. stehen dann immerhin an 0,05-mm-Skalenstrichen. (Quark 7 schafft nur 800%: ein weiterer Grund, es wegzuschmeißen. Wuahahaah…!)
Januar 25th, 2009 at 17:59
@ Martin @ all:
Insgesamt war das für den Jung-Blogger, der ich noch bin, eine hübsche Erfahrung:
In einem Forum http://www.hilfdirselbst.ch/gforum/gforum.cgi?post=382055#382055 wird eine Frage gestellt zu einem Detail von InDesigns Bedienoberfläche (das Textmodus-Tiefenlineal).
Eine Antwort lässt mich aufhorchen: Ist hier vielleicht auch ein Schnellweg vesteckt fürs Auslesen der ab und an benötigen Versalhöhe?
Ich poste im Blog.
Kommentare bieten Alternativen.
Ich suche im Forum, was dort zum Thema bislang gesagt worden ist und stosse auf einen fünfeinhalb Jahre alten Thread, dessen letzter Stand gewesen war: «Versalhöhe auslesen geht nicht.»
Ich verweise auf den Blogbeitrag und seine Kommentare und ziehe dadurch den alten Thread im Forum wieder nach vorn.
Der Thread beginnt wieder zu leben, und sein vorläufiges Ende ist ein sehr praktisches Skript von Gerald Singelmann ist: Das ich in einem neuen Blogbeitrag kurz schildern werde.
Keine neue Erkenntnis mehr, dass das Web 2.0 – das interaktive Web – neue Erkenntnisse gebiert. Aber zumindest für mich: ein schönes Beispiel. Oder sehe ich das zu romantisch?
Januar 25th, 2009 at 23:33
[...] Beitrag zum Thema «Grossbuchstabenhöhe» führte zur Vertiefung eines Themas, das Nicht-Schriftsetzern esoterisch anmuten mag, das aber [...]