Apr
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InDesign: Von optischem und metrischem Kerning – und einem 1/24-Geviert

Von Jochen F. Uebel

id5_icon_oflid6_icon«Metrisches Kerning»: InDesign greift auf die Kerning-Tabelle einer Schrift zurück.
«Optisches Kerning»: InDesign regelt die Zeichenabstände nach eigenem Gusto, ohne Rückgriff auf die Kerning-Tabelle. Kalkuliert wird dabei die reine Buchstabenform – ohne Rücksicht darauf, aus welcher Schrift die benachbarten Zeichen stammen.

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Bestens, denke ich. Das sollte doch ein häufiges Satzproblem lösen helfen: Nicht-kursiver Doppelpunkt (oder Ausrufezeichen oder Fragezeichen oder Klammer) nach kursivem Text.

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Denn so darf der Doppelpunkt nicht stehenbleiben. Das Wort «Doppelpunkt» ist hier die Ausnahme im Satzbau. Der Doppelpunkt hingegen muss für den gesamten Satz gelten. Also muss so formatiert werden:

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Das aber verstärkt die unschöne Nähe zwischen «t» und Doppelpunkt. Fast berührt schon der «t»-Querstrich den Doppelpunkt. Also: Kann es InDesigns optisches Kerning besser? Antwort: leider nein. Optisches Kerning (rot, guckt klein wenig hervor) verschlechtert die Situation sogar meist, gegenüber der metrischen Zurichtung (grau): rückt den Doppelpunkt also noch näher an das «t» heran.

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Wie helfe ich mir? Ich füge vor dem Doppelpunkt einen Leerschlag ein. Keinen ganzen, sondern das 1/24-Geviert. Sie entdecken dieses Helferlein im Schriftmenü unter Leerraum einfügen. Es rückt das nachfolgende Zeichen etwas, aber nicht zuviel nach rechts. In den Text eingesetzt zeigt es sich mit diesem Symbol (hier: blau):

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Vereinfachungen: Vielleicht finden Sie an solchen Feinheiten Gefallen – korrekter wird Ihre Typografie dadurch allemal. Geben Sie dieser Leerraum-Variante also einen schnellen Tastenbefehl. Den nutzen Sie garantiert gern und häufig. Oder Sie suchen nach Doppelpunkt und ersetzen durch 1/24-Geviert und Doppelpunkt. Fortgeschrittene wiederum mögen nach Zeichen, denen ein Doppelpunkt folgt, GREP-suchen, und verpassen diesen Zeichen ein zusätzliches, positives Kerning. Aufwendige Skript-Lösungen mit allen Schikanen sind ebenfalls denkbar. Denn alles was ein InDesign-Anwender kann, kann ein Skript auch: und noch mehr. Nur eben per Knopfdruck. Aber das ist, frei nach Michael Ende, eine andere Geschichte, und die soll ein andernmal erzählt werden.

Wenn Sie die Problemstellung nachbauen wollen: Optisches und metrisches Kerning wirkt immer zwischen den Zeichen. Kerning-Eigenschaften werden in Leserichtung weitergereicht. Wenn Sie mit Zeichenformaten arbeiten, muss also das «t» angefasst werden. (Ohne Zeichenformat genügt der blinkende Cursor zwischen «t» und Doppelpunkt.)

2 Kommentare

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Christian Steffen
April 8th, 2009 at 09:04

Der Trick mit dem 1/24 Geviert Abstand hilft nicht immer.
Test: kursives f aus der Garamond gefolgt von gerader, hochgestellter Fußnotenziffer.

Viele Grüße
Christian

2

Hallo Christian. Ganz klar: Es gibt über das geschilderte Problem hinaus noch zahllose weitere Leerraum-Situationen – und viele andere mikrotypographischen Aufgaben. Eine hilfreiche Auflistung von Sacha Heck fand ich gestern hier: http://www.sachaheck.net/blog/typographie/mikrotypografie.

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