Sep
11

Lieber kein Hin und Her zwischen InDesign CS2, CS3 und CS4

Von Jochen F. Uebel

indesign_icon_kl«Unsere Agentur arbeitet schon mit InDesign CS4, wir hingegen weiterhin mit CS2. Wir haben gehört, dass man CS4-Dateien irgendwie in CS2 öffnen kann. Wie geht das?»

Lieber Fragesteller, wenn ich erst einmal vorsichtig korrigieren darf: «… schon mit CS4» ist doch etwas verwegen. Die Software ist mittlerweile fast ein Jahr alt! Oder andersherum: InDesign CS2 erschien im Mai 2005 – vor vier langen Computerjahren! In der Software- und Compurterindustrie ist das schon fast ein Äon – ob uns das behagt oder nicht.

Aber zu Ihrer Frage: Nein, CS4-Dateien lassen sich nicht in CS2 öffnen. Auch nicht in CS3 Aus zwei einleuchtenden Gründen:

  • Der Programm-Code, mit dem CS4-Dateien geschrieben werden, ist ein vollkommen anderer als der, mit dem CS2 und CS3 unterwegs sind. Wenn Sie so wollen: Die Sprachen verstehen sich nicht.
  • Bei etlichen Eigenschaften einer CS4-Datei verstehen CS2 und CS3 nur «Bahnhof»: Was ist ein Zeilenformat? Keine Ahnung. Was ist ein Zellenformat? Weiss CS2 nicht. Ich liste unten mal auf, was CS2 alles nicht verstehen kann – ein schöner Hinweis, was Softwareentwicklung bedeutet. Verständnisschwierigkeiten selbst noch für CS3: (x).

Konvertieren heisst Verändern

Natürlich schwirrt in der InDesign-Welt das Stichwort «Konvertieren» herum. Richtig. Ich kann eine CS4-Datei konvertieren. Doch das Ergebnis dieser Umwandlung ist nicht mehr das Original. Das Ergebnis ist etwas Neues, Verändertes. Umwandlung, Konvertierung heisst grundsätzlich: Verändern.

Das ist für CS2 und CS3 fremd

Alle CS4-Eigenschaften aufzulisten, die CS2 nicht versteht, würde diesen Beitrag sprengen. Aber zumindest diese wichtigen Dinge fallen schnell ein bei diesen Dingen kann es schnell Probleme geben:

  • GREP-Stile (x)
  • Zeilen-Stile (x)
  • Tabellenformat
  • Zellenformat
  • Effekte (x)
  • Initialausrichtung
  • Bedingter Text (x)
  • Formatgruppen
  • CS4-Sprachen (x)
  • CS4-Zeichenabstände (x)

Und wie ginge es dann doch?

Im Prinzip so: Ich exportiere aus CS4 heraus die Datei ins Interchange-Format (Endung: .inx). CS3 kann via Datei > Öffnen das entstandene Dokument jetzt konvertieren. Zu CS3 nicht kompatible Eigenschaften werden entfernt.

Aus CS3 exportiere ich erneut ins Interchange-Format: und erhalte nunmehr eine Datei, die CS2 via Öffnen umwandeln/konvertieren kann. Aber: Zu CS2 nicht kompatible Eigenschaften werden entfernt.

5 Kommentare

1

Lieber Jochen
1. Im Prinzip gebe ich dir recht, aber unser beider Erfahrung wird doch sein, dass der “gemeine Indesigner” diese Spezialitäten nicht, oder doch nur selten nutzt.
2. In deiner Liste fehlt natürlich noch, dass auf dem Wege von CS2 nach CS4 die Rechtschreibprüfung und die Silbentrenn-Algorithmen auch überarbeitet wurden. Was bedeutet, dass auch der Textfluss kontrolliert werden muss.
2. Man sollte außerdem noch darauf hinweisen, dass die INX-Anwendung von IDCS4 etwas buggy ist und man darauf achten muss, dass man das aktuellste Update hat (z.Zt. Anfang Sept. 2009 also die 6.0.3).
3. Dein Weg von 4 nach 3 nach 2 setzt natürlich voraus, dass man alle diese Versionen hat, resp. noch hat. So entsteht ein Lizenz-Problem, weil durch das Update die Lizenz von der älteren auf die neuere Version übertragen wurde.
4. Es Gibt eine Dirty-Version dieses Weges (diesen Weg ist ein Notfallplan – bitte auch nur als solchen verwenden): Man kann die aus CS4 erstellte INX-Datei mit einem Texteditor bearbeiten und der CS2 eine CS3-INX vorgaukeln … Dazu muss die 2. Zeile überarbeitet werden:
aus:

wird:


Dieser Dirty-Weg ist allerdings aus den von Dir angeführten Gründen nur im äußersten Notfall zu gehen. Er darf und kann keine Grundlage irgendeines Workflows sein. Alle Dateien müssen, wenn sie auch nur eine Versionsstufe “runtergemacht” werden, penibelst überprüft werden.

Und am Ende meines Kommentars bereue ich eigentlich schon, ihn überhaupt geschrieben zu haben. Verwende besser nur die Sachen daraus, die du für richtig empfindest.
Liebe Grüße in das schöne Freiburg
Frank

2

Hallo Frank!
Dein Kommentar ist doch ok! Er stützt, worum es mir letztlich geht: In einer vernetzten Welt gibt es nichts Hinderlicheres als diese ewige «Da mach ich nicht mit»-Haltung. Dieses knausrige Nachdenken «Brauche ich das Upgrade? Kann ich’s mir sparen?» ist bei einer Software, die weiterentwickelt wird (und nicht nur von sich behauptet, sie täte es), in jeder Hinsicht Unsinn. Die Folge sind überflüssige Probleme beim Datenaustausch (haben wir davon nicht sowieso schon genug? Ich sage nur Text via Word), Inkompatibilitäten (haben wir davon nicht schon genug? Ich sage nur Schriften Mac und Windows). Und wir bleiben ahnungslos gegenüber dem Einsparungspotential technischer Weiterentwicklungen. All das ist überflüssiger Sand im Getriebe. Gewollte Trägheit.
Um dem Kosten«argument» vorzubeugen: Das Upgrade der Creative Suite Premium kostet pro Arbeitsplatz und -tag gerade einmal CHF 4,– bzw. € 3,– (bezogen auf die 18 Monate, die die Version aktuell ist). Das ist noch nicht einmal Portokassenniveau. Das ist Kaffeekasse!

3

Guten Morgen Jochen!
Die Rechnung mit den 3 Euronen pro Mann und Tag hatte ich so noch gar nicht aufgestellt. Ist aber seeeeeeeeeeeeeeehr zutreffend!
Was ich schade finde, ist die Tatsache, dass in deinem Blog die weiterführenden Diskussionen immer nur durch zusätzliche Aktion des Lesers zur Verfügung gestellt wird. Dann gehen so wichtige Sachen, wie unsere Diskussion ;-) )) , oft an den Augen der “Leser” vorbei.
Ich wünsche ein schönes Wochenende
Gruß Frank

4

Ok, ich bespreche das mal mit meinen Kollegen: Vielleicht sollten wir wirklich die Kommentare offener behandeln. (Bislang haben wir allerding alle Kommentare «genehmigt», meist innert kürzester Zeit: abgesehen von echtem Spam.)

5

Das Genehmigen find ich schon ok … schon weil ich mir bei meinem letzten mit dem Dirty-Way nicht so ganz klar war, ob man den veröffentlichen sollte. Es laufen halt zu viele InDesigner rum, die nicht immer wissen, was sie mit solchen Sachen anrichten (können). Mir wäre nur die Info “Hallo – hierzu gibt weitere Informationen” prominenter gestellt wichtig …
Gruß Frank

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