Wegweiser für Listen und Verzeichnisse
Von Jochen F. Uebel
Strassen-, Adress- und Telefonverzeichnisse, Indizes, Inhalts- und Artikelverzeichnisse – sie alle zeigen im Rohzustand ein ähnliches Gesicht (zum Vergrössern bitte klicken):
Ein Teil der Einträge sieht ordentlich aus, ein erheblicher Teil aber benötigt in InDesign Handarbeit: zumindest, wenn das Ergebnis ästhetisch und leserfreundlich sein soll. Dann muss der Strassenname einen hinreichenden Abstand zum Quadrantenverzeichnis halten. Zweite und Folgezeilen müssen sich deutlich von der ersten Zeile absetzen (Einzug links). Unansehnliche Trennungen sind zu vermeiden.

Ein kartographischer Verlag fragt, ob solche Resultate das Ergebnis mühsamer Handarbeit bleiben müssen. Gute Nachricht: In InDesign müssen Sie das nicht. Mit ein klein wenig Geschick lässt sich die Handarbeit fast vollständig eliminieren.
Abstand zum Verweis
Natürlich wird der Quadrantenverweis (die Seitenzahl, die Telefnnummer usw., je nach Listenart) nicht mit einem Tabulator nach rechts gestellt. Zum Einsatz kommt vielmehr der «Tabulator für Eizug rechts» (Umschalt-Tab; siehe auch Schrift > Sonderzeichen einfügen > Andere). Dieser Tab benötigt keine fixe Position, sondern richtet sich immer nach der äussersten Position des rechten Satzrandes. Veränderungen der Spaltenbreite sind von nun an kein Problem; eine Tabulatorposition muss nicht definiert werden; sie wird ignoriert und übersprungen. Das Zeichen zeigt sich als senkrecht durchgestrichener Tab:

Einzug links ab zweiter Zeile
Definiert wird ein normaler Einzug links – der jedoch für die erste Zeile aufgehoben wird: mit einem entsprechenden Minuswert:

Schutz der Verweiszone
Wir sehen es im Beispiel zuvor: Die erste Zeile ragt ungebührlich in die Verweiszone hinein. Hier hilft ein Trick, der gar keiner ist: Zum Zug kommt eine Standard-Funktion von InDesign 6 (CS4). Definiert wird ein ganz normaler Einzug rechts – der aber für die letzte Zeile aufgehoben wird, durch einen Minuswert im Eingabefeld «Letzte Zeile Einzug rechts»:

Unzureichend ist diese Massnahme allerdings dann, wenn Text und Verweis so gerade noch in eine Zeile passen: Erste Zeile ist dann auch letzte Zeile.
![]()
Hier hilft, zwischen Text und Verweis den gewünschten Minimalabstand mit Hilfe eines festen Leerraums vorzugeben: ein Halbgeviert, zwei Drittelgevierte, durch Suchen/Ersetzen neben den «Tabulator für Einzug rechts» zu stellen.

Ergebnis:
Trennen
Bleibt das Trennen. Am Beispiel leicht zu regeln: Die Nachsilbenlänge wird auf 7 Zeichen gestellt – fertig.

Ergebnis:
![]()
Für Grenzfälle: InDesigns GREP-Stil
Es gibt Grenzfälle, in denen sich der Verweis vom Rechtstab lösen will – so dass er doch nicht, wie gewünscht, nach rechts geschoben wird:
![]()
Hier hilft ein via GREP-Stil eingeschossenes Zeichenformat, das den Zeichen nach dem eingefügten Leerraum – mithin auch dem rechtsbündigen Tab – die Eigenschaft «Kein Umbruch» verpasst:
![]()
Sollen auch Zeichen vor dem Rechtstab in die zweite Zeile gehoben werden, wird der GREP-Stil um entsprechende Anweisungen nach links erweitert:
![]()
Der einfache GREP-Ausdruck kann dann so aussehen (GREP-Stile werden im wirkenden Absatzfomat über den Dialog «GREP-Stile» eingerichtet):
![]()
Der Ausdruck zielt auf die beiden Zeichengruppen links und rechts vom rechtsbündigen Tab:
Wende das Zeichenformat auf 6 Zeichen an, vorausgesetzt, ihnen folgt ein Tabulator für Einzug rechts.
Wende das Zeichenformat auf beliebig viele Zeichen an, vorausgesetzt, ihnen geht voraus ein Halbgeviert (so dass der Rechtstab eingeschlossen bleibt).
Je nach Spaltenbreite, Font und Schriftgrösse führen diese oder ähnliche Eigenschaften des wirkenden Absatzformats zu einem vollautomatischen Aufbau solcher Verzeichnisse – und wird die Notwendigkeit manueller Eingriffe drastisch reduziert.
UPDATE: Die Verweiszone kann, wie ich jetzt erkenne, noch einfacher geschützt werden werden als mit Halb- oder Ganzgeviert: mit einem weiteren GREP-Stil, der dem letzten Zeichen vor dem rechtsbündigen Tab eine prominent grosse Laufweite verpasst.1.000 Einheiten wären genau 1 Geviert. GREP-Ausdruck: .(?=~y) – heisst: Unterwerfe jedes beliebige Zeichen dem Zeichenstil «z_geviert», vorausgesetzt, ihm folgt ein Tabulator für Einzug rechts.



