InDesigns Bedienfelder, Folge 8: «Transformieren»
Von Jochen F. Uebel
In loser Folge durchstreifen wir InDesigns 44 Bedienfelder (bitte klicken). Die Ziffern zeigen, in welcher Folge dieser Serie ein Bedienfeld behandelt wird.
Basis-Bedienfeld par excellence
Hilfreich oder überflüssig?
«Gelegentlich, selten oder gar nicht nötig» im täglichen Geschäft: So lautet überwiegend meine Wertung der bisher besprochenen Bedienfelder. Bei dem Bedienfeld «Transformieren» jedoch werden sich womöglich die Geister scheiden. Denn die meisten Anwender sagen hier: «Brauche ich nie.» Begründung: «Alles, was ‹Transformieren› kann, bietet auch die ‹Steuerung›.»
Wirklich? Insbesondere die Freunde, die ihre XPress-Zeit noch in Ehren halten (oder gar noch gar nicht beendet haben), werden sofort widersprechen: «Schalte mal ins Textwerkzeug um. Und? Wo sind sie jetzt, Deine Transformationswerte in der Steuerung?» – «Ja, aber …» – «Nix aber! Selbstverständlich möchte ich den Zugriff auf Position, Breite, Höhe und Winkel auch dann noch behalten, wenn ich Text bearbeite! Ich will doch nicht jedes Mal das Werkzeug wechseln müssen! Ich bin doch nicht blöd!»
Gut gebrüllt, Löwe. Ich bin es auch nicht. Man kann sich zwar an alles gewöhnen – auch an einen überflüssigen Wechsel rüber zum «schwarzen Pfeil», nur um beispielsweise wieder Kordinaten, Breite und Höhe des aktiven Objekts zu sehen. «Transformieren» stetig offen zu halten scheint mir für solche Fälle dann doch die vernünftigere Verhaltensweise zu sein.

Und was bietet «Transformieren» ausserdem, ausser den redundanten Positionskoordinaten, Breite, Höhe, Skalierung und Winkel? Nichts, was bei aktivem «Auswahl»-Werkzeug («schwarzer Pfeil») nicht auch im Bedienfeldmenü der «Steuerung» zu finden wäre. Unterschied zu dieser: Die Bedienfeldmenü-Befehle der «Steuerung» tauchen nur situationsbezogen auf – in «Transformieren» sind sie immer sichtbar. Und das hat Vorteile: wenigstens didaktische. Man erfährt dann vielleicht erstmals vollständig, was in einer «Transformieren»-Situation – Objekt(e) wurde(n) markiert – so alles möglich ist.
«Transformationen löschen»: Was macht das?
Besonders erstaunt hatte mich «Transformationen löschen». Wussten Sie, was das macht? Wenn nicht: Sie werden überrascht sein! Denn quasi mit der Computer-Muttermilch haben wir doch alle gelernt: Wurde eine Datei erst einmal geschlossen, können Arbeitsschritte vorangegangener Sitzungen nicht mehr rückgängig gemacht werden.
Zumindest zu Teilen eines InDesign-Layouts ist das jedoch Schnee von gestern. Transformieren Sie einfach einmal ein Objekt – drehen Sie’s, neigen Sie’s (schon wieder ein Übersetzungsfehler von Adobes Lokalisations-Abteilung; sie sprechen von «Verbiegen»), skalieren Sie’s, mit oder ohne Inhalt: und dann schliessen Sie das Dokument. Fahren Sie meinetwegen auch noch InDesign runter, damit Sie’s glauben. Und dann öffnen Sie das Dokument wieder.
Nun Objekt markieren und «Transformationen löschen»: Arbeitsschritte des Vortages werden rückgängig gemacht! Ist das nicht heftig?
«Transformationen löschen»: um Bilder und Rahmen auf Originalgrösse zu stellen
Ich bin noch am Überlegen, in welchen Situationen das förderlich sein kann. Eine habe ich auf jeden Fall schon entdeckt:
Platzieren Sie ein Bild. In InDesign CS4 können Sie bekanntlich mit dem gefüllten Platzierungs-Zeiger Bild-proportionale Rahmen aufziehen. Das heisst: Auf diesem Weg platzierte Bilder sind immer skaliert.
Der Wunsch mag später entstehen, solche Bilder zurückzustellen auf 100%. «Transformationen löschen» macht’s (nach Auswahl des Bildes in seinem Container). Manchmal macht InDesign dann sogar mehr, als man je erwarten würde. Liegende Hochformat-Bilder einer Digitalkamera, im Kamera-Programm auf Hochformat gedreht und beim Platzieren in InDesign auch korrekt im Hochformat wiedergegeben, werden nach «Transformationen löschen» zurückgedreht auf Querformat: so, wie die Kamera sie eigentlich sah. Es werden also auch u.U. Transformationen gelöscht, die noch im Vorfeld von InDesign stattfanden (bei mir im Kamera-Programm)!
«Transformationen löschen»: um ursprüngliche Schriftgrössen wiederherzustellen
Eine andere Anwendung dieses interessanten Befehls sind all die Fälle, in denen Textrahmen mit «transformiertem» Text hinterlassen worden sind: zu erkennen an der doppelt angezeigten Schriftgrösse (in Klammern der tatsächliche Wert, ohne Klammer der ursprüngliche Wert). Manchmal möchte man tatsächlich die Ausgangssituation wiederherstellen: «Transformationen löschen» does the trick. Rahmen und Text werden wieder auf ihre ursprünglichen Abmessungen zurückgeführt (im Beispiel unten: 5°/6° pt).

«Transformationswerte sind Gesamtwerte»: addiert Objekttransformation zur Gruppentransformation
Bleibt gelegentlich die Frage, was denn «Transformationswerte sind Gesamtwerte» macht – wenn eingeschaltet, wenn ausgeschaltet. Adobes Hilfe (CS6) ist hier hilfreich: abgesehen davon, dass im Moment (11. Januar 2010) die im Abschnitt «Ändern der für verschachtelte Objekte angezeigten Informationen» gezeigten Winkel-Werte irreführend sind. Wo «0° steht, muss «-10°» stehen.
So. Der nächste InDesign-Beitrag – er befasst sich mit dem Bedienfeld «Zeichen» – wird wieder so kurz wie bisher meist gewohnt.
Die Serie ist kein Hilfe-Ersatz. Dafür gibt es unsere Kurse, gibt es Fachbücher und im Internet Fachartikel en masse. Sie ist vielmehr ein entspannter Streifzug mit Hinweisen auf versteckte Kleinigkeiten: die man im InDesign-Alltag gern übersieht.



1 Kommentare
Januar 19th, 2010 at 19:17
[...] «Zeichen» war die vorangegangene Folge über «Transformieren» eine gute Vorbereitung. Denn auch dort galt schon: Man braucht das Bedienfeld eigentlich nicht – [...]