Archiv zum Thema Grundlagen (ID)

Die deutschsprachige Creative Suite 5 ist online, damit ist auch InDesign CS5 zu haben, und jeder kann ausgiebig testen, was dieses Upgrade ihm schenkt.

Das neue Seiten-Werkzeug

Ganz gewiss wird man zu allererst eines der beiden neuen Werkzeuge ausprobieren: das Seiten-Werkzeug.

Mit ihm kann ich die Grösse einzelner Seiten verändern: im Layout. So weit, so praktisch und so lange ersehnt! Umschläge und Ausklapper lassen sich jetzt mit wesentlich geringerem Aufwand erstellen (zum Vergrössern bitte auf Abbildung klicken):

Martin Braun, ein Kollege von mir in der InDesign User Group Stuttgart, stiess dabei aber auf etwas äusserst Merkwürdiges: Durch ein Hintertürchen kann ich das Seitenformat nun auch neigen (die offizielle Benennung lautet jetzt richtig «scheren») und drehen! Martins Frage lautet verständlicherweise:

Ja, wozu?

Versteckter Nutzen

Einen direkten Nutzen kann ich bislang nicht erkennen. Aber: Ich freue mich über diese Entdeckung aufgrund ihres möglichen Nebeneffekts: Denn jenes erwähnte «Hintertürchen» ist ein Menübefehl, der trotz erheblicher Anstrengungen (siehe mein Blog vom 15. September 2008) einfach nicht lebendig werden will: nicht in meiner täglichen Arbeit, nicht in der Tagesarbeit der meisten InDesign-Anwender, die ich kenne. Objekt-Menü > Erneut transformieren!

Die zu Rhomben verformten Seiten sitzen jetzt wie ein Mahnmal in meinem Gehirn: «Erneut transformieren» gibt es! Das kann was!» Auch wenn es wohl lieber nicht die Seite selbst sein sollte, die gedreht, geneigt/geschert, proportional/nicht-proportional skaliert oder einfach nur auf der Montagefläche hin- und her bewegt werden muss. Das das mit Objekten geht – Textrahmen, Grafikrahmen, Linien, Gruppen – ist doch schon wunderbar genug!

Die Diskussion jedenfalls läuft; noch ist nicht entschieden, ob das nun ein Programmfehler oder ein Feature ist. Denn: Wie Martin im Adobe-Forum berichtet, weist der offizielle InDesign CS5 Scripting Guide for Javascript darauf hin, dass Seiten gedreht und geschert werden können. Einfach so.

Vorschlag

Bis Übereinkunft darüber erzielt worden ist, ob diese Möglichkeit überhaupt sinnvoll ist oder nicht, könnte Adobe erst einmal die entsprechenden «Erneut transformieren»-Befehle ausgrauen, sobhald das Seiten-Werkzeug eine Seite ausgewählt hat. Alles andere scheint mir zu gefährlich zu sein. Und zudem verlustbehaftet: Denn sobald eine Seite auch nur minimal geschert oder gedreht worden ist, verlieren alle Seiten- und Satzspiegel-Ränder ihre Magnetik. Und die Positionsangaben von Objekten solcher Seiten werden logischerweise ebenfalls fehlerhaft. Denn die Lineale – lassen sich nicht drehen und scheren.

Edit: Michael Ninnes (während der Entwicklung von InDesign CS4 und CS5 Senior Product Manager bei Adobe) spekuliert, ob die Öffnungs fürs Seiten-Drehen und -Scheren via «Erneut transformieren» eventuell ein Easter Egg der Entwickler gewesen sei. In einer späteren Version werde das freihändische Transformieren von Seiten möglicherwiese offen unterstützt (nicht nur via Skript oder eben «Erneut transformieren»).

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Das war, liebe Freunde von Adobe, leider ein kleiner Fehlstart: Aber wir sind sicher, er ist schnell korrigiert.

Was ist passiert? Die deutschsprachige Version von InDesign (InDesign 7, Bestandteil der neuen Creative Suite 5) wurde soeben zum Kauf und 30tägigem, unverbindlichem und kostenlosem Ausprobieren online gestellt. Und was macht man als erstes – nachdem man sich klein wenig mit der neuen Oberfläche beschäftigt und die Voreinstellungen (stellenweise immer noch nicht praxisgerecht, dazu gleich mehr) optimiert hat?

Das Return (Absatzende) funktioniert nicht mehr

Man erstellt ein neues Dokument (Bravo! Doppelseiten können jetzt endlich auch mit einer linken Seite starten, ohne weitere Vorbereitung!), wählt das Textwerkzeug, zieht einen Textrahmen auf, tippt und gibt einen Absatzumbruch ein – und erhält – Edit: nur auf dem Mac – einen Spaltenumbruch. Auweia.

Und mehr noch: Auch an anderen Stellen scheint der Tastaturbefehlssatz [Standard] eine Macke zu haben. Harter Zeilenumbruch und Rahmenumbruch hören laut Tastaturbefehlssatz auf den gleichen Tastaturbefehl (was technisch wie praktisch gar nicht geht), und der «Zeilenschalter» («Return») wurde als Standardbefehl dem Befehl Pfadzeichnung beenden zugewiesen.

Edit: Diesen im englischen Original nicht vorhandenen Fehler der deutschsprachigen Version zuerst entdeckt hatten Mitarbeiter der InDesign User Group München.

Wie dem auch sei: Hier müssen die Revisoren nochmal ran. Natürlich wäre ein «Workaround» denkbar (und wer jetzt schon InDesign CS5 testen will, soll ihn gehen): Neuen Tastaturbefehlssatz als Kopie von [Standard] anlegen, dem Befehl Schrift-Menü > Umbruchzeichen einfügen:Absatzumbruch den Zeilenschalter (Kontext Text) und dem Befehl Schrift-Menü > Umbruchzeichen einfügen:Spaltenumbruch den Befehl Enter zuweisen (auf dem Mac nur möglich mit Hilfe einer externen Tastatur). Aber das ist eine Operation, die man zumindest Neuankömmlingen in der Software nicht gleich am Anfang zumuten darf (und sicher nicht zumuten wollte).

Edit: Haeme Ulrich hat die Fehlerhaftigkeit noch etwas genauer aufgelistet – und einen noch besseren Workaround vorgestellt: die fehlerhaften Tastenbefehle aus dem Duplikat des [Standard]-Tastaturkürzel-Sets einfach entfernen. Bis Adobe das Problem gefixt hat; man arbeite dort unter Hochdruck an einer Bereinigung.

Bei der Gelegenheit: Voreinstellungen

Und ich bleibe dabei: Als Standard-Einstellung muss in Voreinstellungen > Eingabe die Option Zeilenabstand auf ganze Absätze anwenden eingeschaltet sein, liebe Adobe-Freunde. Ansonsten wäre Eure Strategie widersprüchlich: Einserseits Bedienerleichterung, weniger Mausklicks, schnelleres Zum-Ziel-Kommen (InDesign CS5 wartet hier mit etlichen hervorragenden Verbesserungen auf) – und auf der anderen Seite den Anwender standardmässig dazu zwingen, grundsätzlich vor Abänderung des Zeilenabstands unsinnigerweise erst einmal alle Zeichen auszuwählen (einschliesslich des Returns). Das war, ist und bleibt als Standard Nonsens, und dass ich jetzt so deutliche Worte wähle, liegt daran, dass auch ein xfacher Hinweis innerhalb des Beta-Test-Programms niemandenin Seattle zu der an sich ja nicht schwierigen Einsicht bewegt hat.

Natürlich ist es wunderbar, dass wir, wenn wir wollen, einem einzelnen Zeichen auch einmal einen eigenen Zeilenabstand verpassen können – selbstverständlich! In einem alten Blog habe ich zu dieser Möglichkeit gratuliert. Aber es kann keine Diskussion darüber geben, dass diese Situation für das überwältigende Gros der Anwender nur die Ausnahme ist. Und also muss die Voreinstellung für den unbedarften InDesign-Novizen (wie für den Altgedienten) geändert werden. Ich werde da nicht locker lassen.

Und wenn wir schon dabei sind: Die Voreinstellung Voreinstellungen > Eingabe > Textwerkzeug wandelt Rahmen in Textrahmen um gehört bei dieser Gelegenheit ebenfalls gleich ausgeschaltet. Fein, dass es diese Option gibt! Aber sie ist defintiv etwas für den Profi, der beim schnellen Klicken durchs Layout genau weiss, was er tut. Solche Angebote gehören standardmässig erst einmal deaktiviert.

Dass in den Voreinstellungen > Einheiten und Einteilungen > Linealeinheit immer noch der Druckbogen als Ursprung eingestellt ist, muss ebenfalls korrigiert werden. Schön, dass es das gibt! Aber meistens will der Anwender die Seite als Urpsrung haben. Und das absolut zu Recht. Also sollte die Software für dieses «Meistens» vorbereitet sein – und nicht für die seltenen Ausnahmen.

Ein Argument, das auch für den Voreinstellungen > Eingabe > Intelligenter Textumfluss zieht, der ebenfalls «out of the box» eingeschaltet ist, trotz aller Gefahr, die das mit sich bringen kann. Gehört erst einmal ausgeschaltet! Und nur bei dem seltenen Bedarf aktiviert!

Ihr müsst, liebe Freunde bei Adobe, doch auch etwas an die Lehrer denken. Es ist gut, dass Ihr mehr und mehr Möglichkeiten in die Programme hineinpackt. Aber dann wollen wir nicht wertvolle Schulungszeiten für Erläuterungen von Unsinnigkeiten und ihren Workarounds vertun, die von den InDesign-Programmierern doch mit einem Federstrich beseitigt werden können.

Ich hoffe: Nichts für ungut! Ich liebe InDesign und habe mit diesem Launch noch mehr Gründe, dieser gelungenen und jetzt noch besseren Layout-Software die Stange zu halten. Dass Adobe in aller Regel auf die Anwender hört, habe ich am 12. April hier und am 5./6. Mai hier gezeigt.

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simplify-your-indesignIn loser Folge durchstreifen wir InDesigns 44 Bedienfelder (bitte klicken). Die Ziffern zeigen, in welcher Folge dieser Serie ein Bedienfeld behandelt wird.

InDesigns «Informationen» zeigen den Ablageort

Sie arbeiten an Ihrem Layout.
Sie zweifeln an der richtigen Dateiversion.
Sie wählen Menü Bearbeiten > Auswahl aufheben.
Sie haben das Bedienfeld «Informationen» geöffnet.
Sie stellen Ihren Mauszeiger über «Position» (gemeint ist «Ablageort»).
Sie sind glücklich.

Die Serie ist kein Hilfe-Ersatz. Dafür gibt es unsere Kurse, gibt es Fachbücher und im Internet Fachartikel en masse. Sie ist vielmehr ein entspannter Streifzug mit Hinweisen auf versteckte Kleinigkeiten: die man im InDesign-Alltag gern übersieht.

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InDesigns Schnellweg zum Dreieck

Über InDesigns Bedienfeld «Werkzeuge» zu schreiben fällt mir nicht ganz leicht: Zu zahlreich die Tricks und Hilfen, die dieses scheinbar harmlose Bedienfeld anbietet. Aber nehmen wir den: allein schon deshalb, weil ich mich vor ca. einem halben Jahr, nachdem ich diese Funktion längere Zeit nicht mehr gebraucht hatte, dabei ertappte, einen schrecklichen Umweg zu gehen. Es galt ein Dreieck zu bauen. Können Sie’s?

Nicht wahr, so simpel:

1. Man klickt lange auf das «durchge-ixte» Werkzeug «Rechteckrahmen».
2. Man wählt das Sub-Werkzeug «Polygonrahmen».
3. Man zieht mit dem Polygonrahmen-Werkzeug einen Rahmen auf (Standard erst einmal: fünfeckig) – und lässt die Maustaste nicht los.
4. Man bestimmt die Zahl der Ecken mit den senkrechten Pfeiltasten der Tastatur – und lässt die Maustaste nicht los.

Denn es kann noch weiter gehen:

5. Man sorgt für bzw. entfernt Sternenmuster durch Drücken der waagerechten Pfeiltasten der Tastatur – und lässt die Maustaste nicht los.
6. Man sorgt für gleichschenklige Formen durch Drücken der Umschalttaste.

Nebenbei sehen Sie, dass ich die Werkzeugleiste zweispaltig fahre. Warum? Ich freue mich über die fast viermal so grossen Schaltflächen für Flächen- und Konturfarbe. Und über den «Vorschau»-Knopf in der rechten unteren Ecke: den selbst ich noch manchmal mit der Maus besuche, wenn ich sowieso schon in der Gegend bin.

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Farbtonfelder, oder: Gleichberechtigung in der Farbfamilie

Interessantester Befehl ist hier für mich im Moment: «Neues Farbtonfeld…». Er erzeugt von einer aktivierten Farbe aufgehellte Abkömmlinge – von einem Farbfeld einen Farbton.

Vorteil: Veränderungen der «Mutter» werden automatisch an die «Kinder» weitergereicht: Probieren Sie es aus. Ändern Sie Name und/oder Werte der «Mutterfarbe» – und Sie werden sehen: Die zugehörigen Farbtonfelder ändern sich synchron mit.

Unerwarteterweise funktioniert das aber auch andersherum: «Farbfeldoptionen» eines «Kindes» geändert – und Geschwister wie Mutter werden automatisch mitgeändert.

Ein Demokratisierungsgrad, den sich manche Kinder gern wünschen, der für Eltern aber schnell zum Horror werden könnte. Also aufpassen!

Edit: Es lohnt sich, den Kommentar von Quarz zu lesen!

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