Archive for Web 2.0
Internet am Fernseher – und mehr:
Diese Woche hat Google «Goolge TV» angekündigt (Artikel NZZ, Artikel Spiegel Online). Internet und Fernsehen sollen – wie ja schon lange angedacht – verschmelzen. Man stelle sich vor, man kann zwischen dem Fernsehprogramm und Websites hin- und herschalten. Und noch spannender: Fernsehen mit Webdiensten verbinden! Das ergibt völlig neue Möglichkeiten der Interaktion. Und für Google wieder einen Milliardenmarkt für Werbung – «TV-Werbung». Google erfährt dann vielleicht auch, was wir uns am Fernseher anschauen – und schaltet dann gleich passende Werbung dazu. Naja.
Auf alle Fälle wird man in Zukunft den Fernseher auch über einen Browser bedienen können. Eine Marktnische kenne ich dann schon: einen Zusatzdienst, der Werbung ausblendet …
Und ein weiterer Punkt: Web-Movies sind heute schon sehr wichtig fürs Marketing – und werden in Zukunft noch wichtiger werden. Denn diese Movies können in Zukunft auf dem heimischen Sofa angeschaut werden …
Und der Stein rollt – oder was Apples iPad mit Bob Dylan zu tun hat
Autor: Jochen F. Uebel | Kommentare (1)
Ich hab’ sie wieder aufgelegt: Bob Dylans 67er-Platte Highway 61 Revisited. Der Opener: Like a Rolling Stone. Keine Hymne an die Band Brian Jones’ und Mick Jaggers: Die fanden nur selbst das Bild des rolling stone, des Kieselsteins, als passend für sich, für eine Generation, was immer. Steine im Flussbett.
Dreimal spielte Apples CEO Steve Jobs in seiner iPad-Keynote Dylans Like A Rolling Stone an: zu Beginn, in der Mitte, am Schluss. Und das wirkte zunehmend wie die Umwertung der Werte. Standen die 68er nicht für Befreiung von Konsumdruck und Bevormundung durch Werbung und Industrie? Der rolling stone war kein Ideal, sondern abschreckendes Beispiel: «Lass Dich nicht treiben.» Das Deutsche sagt «Sei kein Fähnchen im Wind Mitläufer».
Das iPad ist Verkaufsplattform
Doch Apples iPod nahm, als iTunes-Lieferant, mit inzwischen 250 Mio. Käufern den Zubringer zum Konsum-Highway. Das iPhone mit seinen inzwischen 150.000 «Apps» genannten Progrämmchen, die es so bunt und vielseitig machen, fädelte sich auf dem Highway ein: animierte 3 Milliarden Mal zum Kauf eines solchen «Apps». Das iPad aber geht auf die Überholspur und gibt nun richtig Gas.
Es lädt ein: wieder mit iTunes zum Kauf von Musik, wieder mit App Store zum Kauf kleiner und grösserer Anwendungen, nun aber auch mit iBooks zum Kauf digitaler Bücher, und als Zeitungs- und Zeitschriften-Reader für die tägliche Informationsdosis. Erster Partner: die New York Times. Abgewickelt wird das ganze erneut über Kontrakte mit den Big Playern der Kommunikationsidustrie: zum unbegrenzte Download aller Herrlichkeiten dieser Welt. In den USA via AT&T für schlappe $ 29,99 Dollar den Monat.
Die drei iPad-Basis-Softwares unseres digitalen Lebens – Textverarbeitung (Pages), Präsentation (Keynote), Rechenblatt (Numbers) – sind ebenfalls kostenpflichtig. Knapp zehn Bucks pro Stück: das ist fast «geschenkt» angesichts der Tatsache, dass sie irgendeinem Microsoft-Produkt Lichtjahre voraus sind. Wahrscheinlich uneinholbar voraus. Das Bundle der Drei heisst bekanntlich «ich arbeite», iWork. Man kann das auch so übersetzen: Ich funktioniere.
Und der Kern der Botschaft? Der Preis.
Die häufigsten Worte in Apples Präsentation waren zwar «iPad», «amazing» und «easy»: Das wichtigste Wort aber war «the price».
Schon das iPhone war, obwohl auch Gebrauchsgegenstand, vor allem dies: Verkaufsplattform. Auch das iPad wird wieder Menschenwellen in die mittlerweile 284 glitzernden Apple Stores spülen (Jobs: «phenomenal buying experience», 50. Mio. Besucher zählten laut Jobs die Geschäfte allein im letzten Quartal). Aber vor allem das Geschäft mit Musik (iTunes), Literatur (iBooks), Games und Tools (Apps) in neue Höhen schrauben.
Darüber hinaus aber definiert das iPad den Umgang mit den Wort-Medien neu. Es ist ein handheld computer, gewiss. Aber genauso ist es ein handheld Kaufhaus – für Bild, Ton und nunmehr Information.
Insofern passt das Bild vom Kieselstein vielleicht doch: Wenn ihr schon nur Mitläufer seid, dann lasst euch wenigstens auf die bequeme Tour mittreiben. Wenn wir euch schon am Konsum-Wickel haben, dann sorgen wir zumindest dafür, dass es euch Spass macht dabei.
Gefahr …
Kieselstein-Apple ist schon jetzt, wie Jobs seinen Anteilseignern vorrechnete, der grösste Mobilgerätehesteller der Welt: wenn man die MacBooks zu den Mobilgeräten dazuzählt. Vor den Giganten Sony, Samsung, Nokia. Das iPad aber ist das neue Mobilgerät. Nicht zuletzt wurde während der Keynote die eigentliche Katze erst ganz zum Schluss aus dem Sack gelassen: Das Gerät wird mit einem Dock angeboten (das es zum Standmonitor macht) und besitzt einen kabellosen Anschluss für eine Tastatur: kann also wie ein Notebook bedient werden.
War man bei Amazons Kindle schnell mit Kritik bei der Hand – beschränkter Zugang zu den Bibliotheken in Europa, «kann nur eBooks», zu enge Bindung an Amazon –, wird das Verbraucherurteil übers iPad lauten: That’s it. Zwar ist es 150 g schwerer und 3 mm dicker als Amazons Kindle. Aber es besitzt ein hochbrilliantes Farbdisplay (Kindle: 16, in Worten: sechzehn Graustufen …), kann browsen, mailen, spielen, organisieren (Adressbuch, Kalender), kann alle Bilder, alle Musik, alle Information verwalten – und synchronisiert sich am Ende eines schönen iPad-Tages mit iPhone und PC.
Jetzt wird niemand mehr, der noch bei Verstand ist, ein Kindle kaufen. Das iPad ist nur zehn Dollar teurer, hat aber Container-Ladungen an prall gefüllten Nikolaus-Säcken an Bord. Die vielen Süssigkeiten kosten zwar – doch who cares? Man ist ja brav und kauft. Und kriegt sie also alle. Kein Wunder, dass FAZ-Mitherausgeber Frank Schirrmacher, Computer-Nutzer wie Computer-Kritiker («Payback») heute im DeutschlandRadio von einer «Zäsur» gesprochen hat – aber auch von der Gefahr, dass Apple nunmehr zum «grössten Verleger der Welt» werden könnte.
Ibrahim Evsan, Social Media-Experte, auf FAZ.NET: «Apple ist der neue Gatekeeper. Es geht um alles.»
… oder Chance?
Buchverlage bieten ihre Bücher noch nicht für iBooks an? Gemach. Die kommen. Nicht die Verlage bestimmen mehr, wo es digital langgehen wird – hier hat nun Apple das Sagen, und vorerst nur Apple. Auch das entsprechende Kapitel der Musikindustrie wurde von Apple geschrieben – und zugeklappt (iTunes).
Und die Verlage von Zeitungen und Zeitschriften? Schaut euch an, wieviel CDs und Vinyl heute noch verkauft werden – und womit die Musikindustrie, sofern man/frau sie nicht verschlafen liess, ihr Geld heute verdient. Gleiches kommt nun auf die Produzenten von Nachrichten zu. Es wird Frühling, und die Samen gehen jetzt sehr, sehr schnell auf. Noch einmal Schirrmacher: «Ich sehe die FAZ ohne Zweifel auf dem iPad.»
Ein stummer Zeitungsfrühling blüht (ok, das iPad hat eingebaute Umblättergeräusche), die Zeitungs-Rollen rollen aus, gerade mal, dass manches Papier, digital und lokal gedruckt, als persönliche Morgenpost per Fahrradkurier den Frühstückstisch erreicht (niiu). Allenfalls, wie Schirrmacher bemerkt, könne dem Papier die Funktion einer Antwort zukommen auf all die «profilierenden» E-Dienste: Wer Gedrucktes liest, kann nicht beobachtet werden.
Was folgt daraus für die Welt des Publishing? Früher hätte man den Verlegern alten Schlages vielleicht gern gesagt: «Schaut euch um nach warmen Sachen.» Heute muss die Botschaft lauten: «Zieht euch warm an.»
Jedenfalls: Wer einmal pro Woche ein gedrucktes Magazin kauft für sieben, acht Franken, gibt im Jahr 100 Franken aus: nur für dieses eine Magazin. Für wenig mehr, Kaufpreise auf vier Jahre hochgerechnet, bekommt man ein iPad und das deutlich herabgesetzte Magazin – und hat den Nikolaus-Container obendrauf.
Für die Künstler, die Schriftsteller, die Medien – für die wird es nicht eng. Die Menschen dürsten immer noch nach Neuem, nach Ungesehenem, nach Unbekannten. Nur für die, die das Neue auf alte Weise weiterverarbeiten durften («veredeln», wie man im heutigen Sprachgebrauch noch immer gerne zu sagen pflegt), für die wird es eng. Highway ’10 ist eingeweiht. Führt an den sich digital gebärdenden, aber doch nur analog ausliefernden Weiterverarbeitern vorbei.
Einen interessanten Artikel habe ich bei Spiegel-Online gefunden. Die «Grossen» im Internet sind unter enormen Innovations-Druck. Wer sich im Internet nicht bewegt, muss gehen. Wer Trends verschläft, hat verloren. Eine gute Standortbestimmung, was im Moment bei den «Giganten des Internets» (Google, Apple, Amazon etc.) so läuft.
Artikel von Spielgel-Online: «Dasa Netz der Giganten» hier lesen.
Zumindest das kann man der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nicht vorwerfen: dass sie blindlings jeden neuen Trend bejubelt. Dies vorausgeschickt, ist ihr jüngster Bericht (2./3. Januar 2010) über Web-2.0-Kompetenz doppelt brisant: «Für Web-2.0-Abstinenzler brechen auch hierzulande harte Zeiten an.»
Vorausgeschickt worden war eine Meldung aus den USA: Dort hatte die Multimediakette Best Buy jemanden fürs Marketing gesucht, speziell fürs Marketing via Neue Medien. Vorbedingung: 250 Twitter-Follower! «Besonders in den Abteilungen Vertrieb und Marketing haben Bewerber mit Erfahrungen aus dem Web 2.0 Vorteile.»
Gesprochen hatte das Blatt auch mit dem Personalmarketing von Vodafone: Leute, die «lediglich in einem der verschiedenen Netzwerke wie Twitter, Facebook oder Xing vertreten» sind, und dann möglichst noch «ohne Foto, mit nur drei Kontakten auf der Liste», haben es schwer, Positionen in Werbung, Marketing oder Vertrieb zu ergattern.
Und umgekehrt: Sobald sich eine Firma den «neuen sozialen Medien» öffne, frage ein ganz anderes Klientel nach Positionen an. Offenbar werden solche Firmen auch auf dem Arbeitsmarkt attraktiver für die Generation «digital natives».
Den vollständigen F.A.Z.-Bericht kann man hier nachlesen.
Hier ein sehr interessanter Film über die «Social Media Revolution».
… dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.» Dieses Zitat von Gandhi stimmt auch heute noch. Noch sieht man viele Unternehmer und Selbständige, die zwar über mangelnde Aufträge klagen, aber von Web-Marketing nichts wissen wollen – weil es ihrer Meinung nach «nichts bringt».
Hat das damit zu tun, dass man sich nicht getraut zuzugeben, dass man nicht genau weiss, wofür Facebook steht (und ja, es ist nicht nur für Teenager interessant, sondern auch für verschiedene Unternehmen …), wie man XING richtig einsetzt und wie man Twitter für das eigene Business benutzen kann?
Auch Podcasting ist immer noch ein Medium, das unterschätzt wird in der Wirkung und überschätzt wird in der Herstellung. Überlegen Sie sich mal, ob das nicht zu Ihrer Kundenbindung/Kundenfindung beitragen kann, wenn Ihnen Ihre Kunden regelmässig 10 bis 20 Minuten zuhören könnten …
Die SMI analysiert jetzt seit knapp 2 Jahren intensiv Social-Media-Dienste und -Webstrategien. Und Sie kennen uns ja: Da kommt mehr … Schon bald.


